Warum emotionale Frequenzen in der Führung entscheidend sind und wie Sie vom reaktiven Manager zum bewussten Leader werden
Der Fall aus der Praxis
Herr G., 42 Jahre, Bereichsleiter mit sechs Mitarbeitern, steht vor einem Problem, das viele Führungskräfte kennen: Einer seiner Teammitglieder ist ihm unsympathisch. Stefan stellt viele Fragen, sucht Blickkontakt zu Kollegen und irritiert seinen Chef durch sein Verhalten. Die Leistung stimmt, das Verhalten ist korrekt – und trotzdem spürt Herr G. eine innere Ablehnung.
Das Problem: Herr G. merkt, dass er voreingenommen ist und diesem Mitarbeiter gegenüber unfair wird. Ohne bewusstes Handeln wird er Stefan bald „schneiden“ – eine Entwicklung, die er verhindern möchte.
Die unbequeme Wahrheit über emotionale Frequenzen
Hier ein wichtiger Fakt, den viele Führungskräfte übersehen: Es ist ein Märchen zu glauben, Mitarbeiter würden unsere Antipathie nicht bemerken.
Jede Emotion hat eine Frequenz, jeder Gedanke eine Schwingung – und diese sind deutlich spürbar. Menschen haben feine Antennen für Sympathie und Antipathie. Ihr Team merkt es, auch wenn Sie glauben, sich nichts anmerken zu lassen.
Peter Druckers zentrale Erkenntnis
„Nur wenige Menschen sehen ein, dass sie letztendlich nur eine einzige Person führen können und auch müssen. Diese Person sind sie selbst.“ – Peter Drucker
Bevor Sie andere erfolgreich führen können, müssen Sie lernen, sich selbst zu führen. Das bedeutet: Ihre Emotionen, Vorurteile und Reaktionsmuster bewusst zu steuern.
Der BRAINTRAIN-Ansatz: Vom Passagier zum Navigator
Station 1: Reflexionsbrücke – Erkennen Sie Ihr Muster
Der erste Schritt zur Lösung liegt in der bewussten Selbstreflexion. Herr G. muss verstehen:
- Was genau ärgert ihn an Stefans Verhalten?
- Welche Knöpfe werden bei ihm gedrückt?
- Wie interpretiert er Stefans Handlungen?
Das 3-Schritte-Reflexions-Tool:
1. Das Verhalten beschreiben Was macht Stefan konkret? Beispiel: „Stefan schaut oft in die Kollegenrunde, um sich Zustimmung einzusammeln.“
2. Das Gefühl benennen Welches Gefühl löst das bei mir aus? Beispiel: „Ich fühle mich, als würde er Partei gegen mich machen.“
3. Den Grund verstehen Warum irritiert mich das? Beispiel: „Ich bin verunsichert in meiner Rolle als Führungskraft.“
Die drei Fallen der Missinterpretation
Falle 1: Annahmen zu Tatsachen machen
Die Frage: Ist Stefan wirklich ein Quertreiber, oder ist er ein detailorientierter Mitarbeiter, der alles genau verstehen möchte?
Die Lösung: Hinterfragen Sie Ihre Interpretationen. Was Sie als Besserwisserei deuten, könnte sachliche Gründlichkeit sein.
Falle 2: Rollen und Erwartungen nicht klären
Die Frage: Welche Meeting-Kultur herrschte im Team bisher? Bringen Stefans Fragen wichtige Informationen für alle zu Tage?
Die Lösung: Definieren Sie klare Kommunikationsregeln und fragen Sie nach den bisherigen Gepflogenheiten.
Falle 3: Projektionen aus der Vergangenheit
Die Frage: An welche Person aus Ihrer Vergangenheit erinnert Sie Stefan?
Die Lösung: Unbewusst verknüpfen wir neue Kollegen mit früheren Bezugspersonen. Diese „emotionalen Schatten“ können zu ungerechten Bewertungen führen.
Warum bewusste Führung den Unterschied macht
Im BRAINTRAIN-System geht es darum, vom reaktiven Passagier zum bewussten Navigator zu werden:
Reaktive Führung:
- Lässt sich von spontanen Antipathien leiten
- Interpretiert Verhalten ohne zu hinterfragen
- Handelt aus dem Unbewussten heraus
Bewusste Führung:
- Erkennt eigene Reaktionsmuster
- Trennt zwischen Beobachtung und Interpretation
- Entscheidet bewusst, wie gehandelt wird
Drei konkrete Strategien für den Alltag
1. Der Reality-Check
Führen Sie ein „Antipathie-Tagebuch“ für eine Woche:
- Wann reagieren Sie negativ auf Stefan?
- Was genau triggert Sie?
- Welche alternativen Interpretationen gibt es?
2. Das Perspektiven-Switching
Fragen Sie sich täglich:
- „Welche positive Absicht könnte hinter Stefans Verhalten stehen?“
- „Wie würde ein neutraler Beobachter die Situation einschätzen?“
3. Die bewusste Neuausrichtung
Definieren Sie bewusst eine neue Haltung:
- „Stefan ist ein gründlicher Mitarbeiter, der Qualität schätzt.“
- „Seine Fragen helfen dem ganzen Team, bessere Entscheidungen zu treffen.“
Die Antwort auf die wichtigste Frage
Müssen Sie Ihre Mitarbeiter mögen? Nein, aber es hilft ungemein.
Was Sie jedoch können – und müssen – ist:
- Fair und respektvoll zu handeln
- Ihre eigenen Reaktionsmuster zu verstehen
- Bewusste Entscheidungen statt emotionale Reflexe
Ihr nächster Schritt
Wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden wie Herr G., beginnen Sie heute:
- Identifizieren Sie einen Mitarbeiter, der Sie emotional triggert
- Wenden Sie das 3-Schritte-Reflexions-Tool an
- Suchen Sie nach alternativen Interpretationen für das Verhalten
- Treffen Sie eine bewusste Entscheidung, wie Sie künftig reagieren möchten
Führung beginnt bei Ihnen selbst. Im BRAINTRAIN-System lernen Sie, vom Passagier zum Navigator Ihrer eigenen Entwicklung zu werden – für fairere Teams und bessere Ergebnisse.
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren oder nehmen Sie Kontakt mit mir auf für ein individuelles Führungscoaching.
Über die Autorin: Ute Reingard Schmidt begleitet Führungskräfte dabei, bewusste Leader zu werden. Mit der BRAINTRAIN-Methodik verbindet sie 30 Jahre Praxiserfahrung mit modernen Coaching-Ansätzen für messbare Führungserfolge.

